Warum digitale Medien Kinder weder dumm noch krank machen

Einsichten aus dem Buch „Digitale Hysterie“ von Georg Milzner

Bildschirme finden sich in unserer Zivilisation nun überall und das Schreckgespenst der Verwahrlosung und Verdummung durch digitale Medien treibt Eltern die Sorgenfalten auf die Stirn.

Ein Buch, dass die psychologischen Auswirkungen dieser Entwicklung auf Kinder kritisch und doch positiv beleuchtet, möchte ich hier kurz umreißen. 

Der Autor G. Milzner ist Psychologe und betont immer wieder die Bedeutung der Eltern als Vorbilder im Umgang mit Medien, da die Digitalisierung sich stark auf unser Verhalten als Erwachsene auswirkt.

Im Durchschnitt sind Erwachsene mit dem Smartphone über 90 Minuten am Tag online, so eine Studie.

Natürlich finden die meisten (oder alle?) wichtigen Erfahrungen im Leben offline statt.

Dennoch gehört der Umgang mit digitalen Medien heute genau so zu unserer Kultur, wie das Lesen beispielsweise. 

Milzner vergleicht Computer und Computerspiele mit Büchern und der Nutzung von Papier. Nur weil auf Papier verleumderische Texte oder erotische Bilder abgedruckt werden können, ist es als Medium nicht verboten und unterliegt auch keinen zeitlichen Nutzungsbeschränkungen.

Da die Nutzung von Tablets oder Computer den Zugang zu unerwünschten Inhalten erleichtert, entsteht für Eltern ein höherer Aufwand an Begleitung und Kontrolle.

Milzner verurteilt die digitalen Medien und Computerspiele nicht. Er vergleicht die häufige Kritik an Computerspielen mit anderen Spielen oder dem Lesen von Büchern, bei deren Konsum man sich ebenfalls nicht bewegt oder deren Qualität ebenfalls in Frage gestellt werden könnte.

Weiter zeigt er auf, dass sich problematische Beziehungs- und Kommunikationsmuster innerhalb der Familie in einen Rückzug des Kindes hin zu digitalen Medien und Spielen hin äußern kann. Es ist ein weiteres Medium, mit dem ein Kind vor der Wirklichkeit fliehen kann, wie es auch Musik, Lesen, TV-Konsum, u.a. auch sind. Wichtig ist laut Milzner eine mediale Mischkost anzubieten und das Eltern Interesse an der Begeisterung des Kind zeigen und es auch in seine Spielewelten hinein begleiten. So fühlt sich das Kind besser verstanden. 

Ein gehemmter Spieltrieb führt am häufigsten zu aggressivem Verhalten, so Milzner.

So solle man seinem Kind nicht das Tablet aus der Hand reißen, nur weil eine vorgegebene Zeit überschritten ist. Das würde man bei einem Buch auch nicht tun. Ein Kind vertieft sich in eine Geschichte und braucht etwas Zeit, um sich davon wieder zu lösen.

Eine Möglichkeit wäre, die letzten 5 Minuten zusammen zu spielen. Das Kind wird wahrscheinlich überschwänglich und begeistert von seinen Heldentaten berichten…

Laut Milzner gibt es keine verlässlichen Untersuchungen, die belegen, dass Kinder dümmer oder krank durch das Spielen am Computer werden. Er meint sogar, dass diese Kinder in der Regel gesünder, sozialer und intelligenter seien. Denn Begeisterung ist positiv für die Gesundheit. Und das Kind ist sozial integriert, wenn es mit seinen Freunden über aktuelle Spiele oder Lösungswege reden kann.

Kinder wollen genauso wie wir Erwachsenen etwas von Bedeutung erschaffen und Anerkennung erhalten. Sie freuen sich, wenn andere ihre Begeisterung teilen. Diese einfache Bestätigung führt zu einem Gemeinschaftsgefühl, anstatt zu dem emotionalen Graben, der entsteht, wenn ein Kind merkt, dass es sorgenvoll beobachtet wird.

Milzner spricht auch von dem Bedarf einer Aufmerksamkeitsethik. 

Da Aufmerksamkeit ein heiß umworbenes Gut ist, wird im Marketing mit allen Mitteln darum gekämpft. 

Wichtig ist, Zeiten zu haben, indem wir völlig unabgelenkt unsere Aufmerksamkeit den Kindern schenken können und einer gemeinsamen Tätigkeit widmen. 

 

 

Unsere Kinder werden in ihrer Zukunft beides beherrschen müssen: Die digitalen Welten, als auch den Umgang sich selbst und der eigenen Aufmerksamkeit, so das Resümee Milzners.

 

 

Link zum Buch:

Digital Hysterie von Georg Milzner