Skoliose im Kindesalter

Skoliose ist eine Erkrankung, die meistens mit dem Erwachsenenalter verbunden wird. Ein Kind mit Buckel? Gibt es nicht? Leider haben immer mehr Schulkinder Haltungsschwächen an der Wirbelsäule. Bekanntermaßen bewegen sich die Kinder immer weniger und leiden unter immer mehr Leistungsdruck.

Skoliosen (nicht physiologische Wirbelsäulenkrümmungen) entwickeln sich über viele Jahre, bereiten aber oft erst im Erwachsenenalter wirkliche Probleme. Bereits im frühen Kindesalter beginnt hier die Entwicklung der Haltung. Für eine aufrechte, gesunde Haltung braucht es Bewegung und ausreichend Kraft. Die Haltung der Wirbelsäule drückt aber auch psychosoziale Aspekte mit aus, also beispielsweise, wie wohl sich ein Kind in der Familie oder unter gleichaltrigen fühlt, ob es sich durchsetzen kann oder ob es unter Druck steht und wenig Zeit für sich hat. Dass diese psychosozialen Faktoren einen erheblichen Einfluss auf die Haltung haben, kann jeder an sich selbst und auch an anderen beobachten. Kinder brauchen einerseits die Möglichkeit zu toben, andererseits auch feste Regeln  und ein authentisch-anerkennendes Umfeld, Freunde, etc.

Dabei muss es nicht immer harmonisch zur Sache gehen. Kinder lernen durch Streitsituationen Zuhause oder unter Gleichaltrigen sich zu positionieren und damit umzugehen. Und an der Wirbelsäulenhaltung sieht man sehr gut, ob die Kinder Ressourcen und Energie haben, um mit bestimmten Situationen umzugehen oder nicht.

 

Skoliose – eine der ältesten orthopädischen Erkrankungen

Der Name „Skoliose“ lässt sich vom griechischen Wort „skolios“ ableiten, welches „krumm“ bedeutet. Dabei ist die Wirbelsäule in der Regel mitunter seitlich verkrümmt. 

Die Skoliose könnte durch die Sesshaftwerdung des Menschen (vor ca. 10.000 Jahren) zu den menschlichen Leiden hinzugekommen sein. Heute, so wird vermutet, leiden circa 3-5% der Deutschen daran, überwiegend Mädchen und Frauen. 

Allerdings ist die Skoliose nur bei 1 bis 3 von 1000 Betroffenen wirklich behandlungsbedürftig und fällt oft nicht einmal auf. Und es gibt wahrscheinlich niemanden, der eine „perfekte“ Wirbelsäule hätte.

Oft bilden sich diese Verkrümmungen während der Wachstumsschübe in der Pubertät. Hierbei sollten folgende Faktoren zusätzlich beachtet werden:

  • Bewegt sich das Kind weniger als früher? Hat es noch genug Ausgleich zum sitzenden Schulalltag?
  • Steckt es in einer „Null-Bock-Phase“ und findet nichts im Alltag woran es sich „aufrichten“ kann?
  • Fehlt es an Selbstbewusstsein und Freude, die dem Kind Energie geben, seinen Alltag zu bewältigen und Spannkraft in den Körper zu bringen?
  • Wie sieht die körperliche Haltung der Eltern aus? Diese wird oft von Kindern kopiert – auch dann wenn die Gene vielleicht gar nicht die Gleichen sein sollten…
  • Das Jugendalter des Kindes ist oft auch für Eltern eine Phase der Neuorientierung: Die Mutter wird nicht mehr mit aller Energie für die Fürsorge der Kinder vereinnahmt, evtl. machen der Vater und vielleicht auch die Mutter gerade Karriere – wie geht es also den Eltern? Kann das Kind sich an den Eltern immer noch orientieren? Findet es hier Ressourcen für Freude und liebevolle Gemeinschaft? Hat das Kind eine andere, reale Person zur Verfügung, von dem es sich solche Ressourcen „abschauen“ kann, oder andere Gemeinschaften, wie ein Sportverein, der diese Grundbedürfnisse nach Orientierung, Förderung und Halt deckt? 

Diese und viele weitere Faktoren können ebenfalls zu Veränderungen der Haltung des Kindes (,wie auch von Erwachsenen,) führen. 

Die Früherkennung der kindlichen Skoliose geht auch mit ungeschultem Auge

Vielen Eltern fällt die krumme Wirbelsäule ihrer Kinder beispielsweise im Sommer auf, beim Besuch im Freibad oder am Strand. Während die Kleinen mit bloßem Rücken über den Sandkasten gebeugt spielen, kann man gut eine eventuelle „eigenartige“ Krümmung erkennen. 

Eltern können auch zuhause ab und zu ein Auge auf den Rücken Ihrer Kinder werfen: Das geht, wenn sie sich vor das vorgebeugte Kind stellen und überprüfen, ob der Rücken auf beiden Seiten der Wirbelsäule gleichmäßig aussieht. Eine Skoliose liegt beispielsweise vor, wenn sich eine Auswölbung der Rippen auf einer Seite mehr abzeichnet.  

Eine gute Gelegenheit ist auch die Vorsorgeuntersuchung J1 beim Kinderarzt. Diese findet im Alter zwischen 12 und 14 Jahren statt, genau dann, wenn die Wachstumsschübe der Pubertät beginnen. Allerdings nehmen laut der bundesweiten Studie „Versorgungsatlas Deutschland“ nur 43% der Jugendlichen diese Vorsorgeuntersuchung wahr. 

 

Wie wird eine Skoliose behandelt?

Je nachdem wie ausgeprägt die seitliche Verkrümmung ist, gibt es verschiedene Therapiemethoden.
Bei einem Skoliosewinkel von unter 20° („Cobb-Winkel“) lässt sich die Krümmung mit regelmäßiger Physiotherapie gut behandeln. Dabei gibt es unterschiedlichen Methoden, mit denen man an der Haltung eines Kindes arbeiten kann. 

Von Vorteil ist es hier auf jeden Fall auch die Begeisterung des Kindes für Bewegung zu wecken oder weiter auszubauen. Und ressourcenorientiert zu arbeiten, damit nicht in 35 Jahren ein Mensch im mittleren Alter dem Arzt gegenüber sein Rückenleiden mit der Skoliose begründet, die er als Jugendlicher diagnostiziert bekam. 

Bei schweren Fällen von Skoliose kann der Arzt unter Umständen eine Operation vorschlagen. Dies kommt bei Kindern sehr selten vor, da die Skoliose in der Regel schon früh erkannt wird und durch intensives Training mit weniger invasiven Methoden oft erfolgreich behandelt werden kann.

 

Als Vorbild der Skoliose entgegenwirken

Die Wirbelsäule ist flexibel und ständig verschiedenen Kräften ausgesetzt. Ein besserer Begriff für diese Konstruktion in unserem Oberkörper, wäre eigentlich „Wirbelschlange“. Es handelt sich bei unserer Wirbelsäule eben nicht, um eine „Säule“, sondern eher um verschiebliche Bauklötze, die sehr intelligent durch unzählige Fasern in alle Richtungen gut vertäut sind, ähnlich wie ein Segelmast, aber eben wesentlich beweglicher. 

Viele Erwachsene bilden nach Jahren der Nicht-Beanspruchung der Beweglichkeit der Wirbelsäule eher eine feste, steife Wirbelsäule aus, welches dann oft als Grundstereotyp „Normal-Null“ herhält. Hier passt dann der Begriff Wirbelsäule. Sieht man sich Tänzer oder andere bewegliche Menschen an, so sieht man, dass diese über eine auch im höheren Alter noch schlangenartig bewegliche, gesunde Wirbelsäule verfügen.

Wir können der Entstehung von Fehlhaltungen und Skoliosen mit einem ausgeglichenen und gesunden Lebensstil entgegenwirken. Es ist wichtig die eigenen Kinder zur täglichen Bewegung anzuspornen und noch besser, wenn Eltern oder andere Vorbilder es ihnen vormachen. Kinder ahmen ihre Vorbilder unbewusst in ihrem Verhalten und ihrer Haltung nach. 

Wenn Sie vor allem kleineren Kindern die Gelegenheit geben, ihren Körper vielseitig zu erforschen, dann werden diese das in der Regel ohne weitere Aufforderung tun.

Ein paar mehr oder weniger einfach umzusetzende Ideen sind:

  • Kletterwand im Kinderzimmer
  • Tau von der Decke hängend oder vom Hochbett hängend
  • Spielbett mit Klettermöglichkeit
  • Vertikaltuch 
  • Athletische Ringe
  • Trapez
  • Viel laufen, gehen, wandern, schwimmen

 

Für mehr Infos und Tipps zum Thema, besuchen Sie meine neuen Kinder Skoliose Kurse in 2019, zum Beispiel in Hagen.

 

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