Paleo Bewegungsbedürfnisse von Kindern – in uns allen steckt ein bisschen Steinzeit!

Natürliche Bedürfnisse von Kindern verstehen 

„Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“, lautet ein afrikanisches Sprichwort. Doch was genau ist damit gemeint? Gerade in noch recht ursprünglichen Kulturen, werden Kinder nicht nur durch die Eltern erzogen, sondern meistens durch alle Anwesenden, verwandt oder nicht. So musste man in prähistorischen Zeiten wohl auch gar nicht genau wissen, wer der Vater war. Jeder im Dorf fühlte sich dann gleichermaßen verantwortlich für die Erziehung der Kinder und trug seinen Teil dazu bei. 
Kinder waren wahrscheinlich immer dabei, beim Sammeln und mit zunehmenden Alter auch beim Jagen. Sie sahen was ihre größeren Geschwister taten und ahmten das nach. Der Fokus der Erwachsenen lag wahrscheinlich nicht auf der Erziehung oder dem Kind speziell, sondern auf der Tätigkeit an sich, die das Kind beobachten konnte und sich auch beteiligen konnte. 
So lernte es auf natürliche Weise alles was es später zum Leben brauchen würde, wie eben andere Säugetier-Kinder das auch tun, wenn man zum Beispiel an Tiger-, Bären- oder Schimpansenbabys denkt.

Wie könnte Erziehung in der Frühzeit der Menschheit ausgesehen haben?

Forschungen an indigenen Völkern geben dazu Aufschluss.

Vor 100.000 Jahren lebten wir wahrscheinlich in kleinen Gruppen von etwa 20 bis 30 Personen. Ein Großteil davon waren Kinder. Viele Kinder starben aber schon in jungen Jahren. Die Kindersterblichkeit war recht hoch. Erreichte ein Mensch das Erwachsenenalter, verbesserte sich seine Lebenserwartung drastisch.
Klassisch wird oft geschrieben, dass Männer zur Jagd gingen und Frauen mit den Kindern essbares sammelten, wie Vogeleier, Früchte und evtl. Fische fingen.
Doch diese Geschlechteraufteilung liegt doch sehr unserer heutigen kulturellen Auffassung zugrunde, die es damals noch nicht gab. 
Eine andere plausible Möglichkeit ist, dass Männer und Frauen zusammen zur Jagd gingen, während die Älteren mit den Kindern warteten.
Jeder, der schnell genug laufen konnte, wurde wahrscheinlich zur Jagd und für den anschließenden Transport des Tieres zur Lagerstätte benötigt.
Die heute weit verbreitete patriarchale Geschlechterrollenverteilung könnte auch erst in der Zeit, als der Mensch sesshaft wurde entstanden sein (vor ca. 10.000 Jahren). Plötzlich musste das „eigene“ Land und vor allem die Felder verteidigt werden. 
Schnell musste den Menschen klar geworden sein, dass es verheerend ist, wenn in diesen ersten Kriegen um Besitz ihre Frauen starben, die mit in den Krieg zogen. Eine dörfliche Gemeinschaft, die zwar die Felder erfolgreich gegen eine raubende, umherziehende Gemeinschaft verteidigt hatte, dabei aber zu viele junge Frauen verloren hatte, konnte sich nur schlecht wieder von so einem Kampf erholen und war in der Folge gefährdet, wenn eine weitere marodierende Gruppe ihr Revier passierte. 
Einleuchtend, dass solange auch nur ein Mann in einer Gemeinschaft mit mehreren dutzend Frauen überlebte, die „Reproduktion“ gesichert war. 
Also war es naheliegend Frauen von solchen Auseinandersetzungen und Kriegen auszuschließen.
Dadurch verloren sie aber wahrscheinlich im Laufe der Zeit an Mitspracherecht und wurden nach und nach ebenso als Besitz angesehen, wie Land und Kinder, was es zu verteidigen galt.

Wie lebten die Kinder in der Steinzeit?

Sie waren grundsätzlich den ganzen Tag draußen. So wie wir es auch von heutigen Kleinkindern kennen, lieben sie Matsch, das Klettern auf Bäume, und das Bauen beispielsweise eines Unterschlupfs aus Ästen und Blättern. Das übrigens auch ohne elterliche Anleitung – ist also wahrscheinlich genetisch veranlagt.
Sie beobachteten gerne Erwachsene und ältere Kinder und ahmten sie nach oder versuchten zu „helfen“.
Es hat sich eigentlich also nicht viel verändert. 
Nur das Kinder heute größeren Zwängen gegenüberstehen, die quasi ihrer Natur zuwiderlaufen.
Hier nicht hochklettern, das nicht zum Bau einer „Höhle“ nutzen, jenes nicht anfassen.
Kinder wollen auch heute noch möglichst früh wissen, was wirklich wichtig ist.
Nur können sie heute nicht mehr mit auf die Jagd, also zur Arbeit der Eltern gehen, auch wenn sie biologisch bereit wären. Sie sehnen sich als Jugendliche nach einer sinnvollen Tätigkeit, die der Gemeinschaft zuträglich ist und durch die sie auch Anerkennung erhalten können. 
Die Schule bietet den jungen Erwachsenen da oft nicht viel Spielraum.

In jedem von uns steckt noch ein bisschen Steinzeit!

Kinder sind ja von Natur aus neugierig und lernbereit. Dinge die sie interessieren können sie im nu verstehen. Was aber tun, wenn die Schule zunehmend zu einer Quelle der Frustration anstatt der Motivation wird?
Hier kann Sport helfen. Kinder brauchen ohnehin Bewegung und wenn das in einem Verein passiert, mit einem Bewegungsangebot für das sich das Kind interessiert und es begeistert, umso besser. Es kann dort seine Kraft, seine Begeisterung, ja auch seine körperliche Haltung aufrichten und seinen Platz in einer wertschätzenden Gemeinschaft finden.
Ich empfehle immer Sportarten, die den gesamten Körper des Kindes trainieren, wie moderner Tanz (Breakdance, HipHop etc.), traditionelle Kampfkünste (Kung Fu, Teakwondo, Karate…) oder Leichtathletik/Turnen. Andererseits, wenn ihr Kind im Fußball voll aufgeht, dann ist das auch prima. Hauptsache es fühlt sich wohl und kann sein Selbstbewusstsein und seine Haltung auf seine wachsende Fähigkeiten aufbauen. Toll ist es natürlich auch, wenn Eltern und Kinder gemeinsam Sport machen können.

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eine_kurze_Geschichte_der_Menschheit

https://www.t-online.de/leben/familie/baby/id_20415660/evolution-wie-laesst-sich-verhalten-von-kindern-erklaeren-.html

https://www.dw.com/de/entwicklungspsychologin-afrikanische-mütter-sind-über-uns-erschüttert/a-17372785