Das Spiegelbild der Eltern: Durch Gelassenheit zu glücklicheren Kindern

„Kinder sind das Spiegelbild ihrer Eltern“ — Das Sprichwort ist uralt aber trotzdem noch aktuell. Der Kinderarzt und Buchautor Remo Largo schrieb: „Das Kind ist biologisch darauf angelegt, sein Verhalten nach Vorbildern auszurichten“. Verantwortlich dafür machte man seit den 1990er Jahren die sogenannten Spiegelneurone, spezielle Nervenzellen im Gehirn, die für die Nachahmung von Bewegungen und Geräuschen verantwortlich sind. Heute geht man davon aus, dass wir, weil wir als Menschen soziale Wesen sind, uns gegenseitig imitieren und Verständnis füreinander entwickeln (und dazu können auch Spiegelneurone beitragen). Ob also mit oder ohne Spiegelneurone, Kinder imitieren – genauso wie auch Erwachsene – die Gestik und Mimik ihres Gegenübers.

Da in den ersten Lebensjahren die Eltern die nächsten Bezugspersonen der Kinder sind, haben sie also einen riesigen Einfluss auf ihr Verhalten. Mama und Papa sind ganz natürliche Vorbilder, von denen sich das Kind Angewohnheiten, Launen und Verhaltensmuster abguckt, die seinen Charakter und schließlich sein Leben prägen. Natürlich bringen Kinder bestimmte Wesensmerkmale mit ihren Genen mit, doch viele Verhaltensauffälligkeiten haben ihren Ursprung in der Beziehung zwischen Eltern und Kind.

Ihr Kind lernt also viel daraus, wie Sie sich in bestimmten Lebenslagen verhalten und sogar auch welche körperliche Haltung Sie dabei einnehmen! Mit welcher Haltung bewältigen Sie Ihre Alltagsprobleme? Wie verhalten Sie sich in Situationen, die Sie an den Rand Ihrer Belastbarkeit bringen (ja, Kinder testen das gerne aus 😉 ? Und wie wird die Beziehung zum anderen Elternteil innerhalb der eigenen vier Wände gelebt (mit Freude, Druck, Gleichberechtigt …)?

Ein gutes Beispiel für den Einfluss von Eltern auf ihre Kinder liefern dabei Kinderärzte: Die Anspannung und Nervosität der Mutter in der Arztpraxis lässt sich direkt im Verhaltes des Kindes wiederfinden. Vielleicht haben die Eltern Angst vor der Reaktion des Kindes im Untersuchungszimmer oder machen sich einfach Sorgen um den Befund. Schon überträgt sich die Anspannung durch die Körperhaltung, Atemfrequenz und Hautspannung, sowie der Gestik oder Stimmlage der Eltern auf das Kind. Die Nachricht, die übermittelt wird, lautet „Gefahrensituation“. Das Kind sucht nach einer passenden Reaktion und weint eventuell, wehrt sich gegen die Untersuchung und ist auch danach manchmal kaum zu beruhigen.

Schnell entsteht dann ein Teufelskreis: Durch Ihre Anspannung wird das Kind nervös und daraus resultiert, dass Sie noch angespannter werden. Was also tun?

Bei vielen Erwachsenen sind psychische Unruhen, Ängste und Unausgeglichenheit schon so lange vorhanden, dass sie ganz unbemerkt Teil ihres Lebens und ihrer Persönlichkeit geworden sind. Meist sind diese Belastungen auch in der Körperhaltung wiederzufinden. Ganz typisch ist es zum Beispiel, die Schultern unbewusst hochzuziehen, bei Angst oder Stress.

Wie fühlen Sie sich generell, können Sie sich als entspannten Menschen bezeichnen? Sind Sie gestresst oder fühlen sich in Ihrer Rolle als Mutter oder Vater überfordert? Wie oft und wie gerne lachen Sie in Ihrem Alltag? Kennen Sie Ressourcen auf die Sie zurückgreifen können, wenn Sie sich ausgelaugt fühlen, die Sie dann wieder aufbauen und Ihnen wieder Kraft und Energie geben. Sie sozusagen auch körperlich wieder aufrichten?

Wenn Ihr Kind oft aggressiv oder in bestimmten Situationen ängstlich reagiert, dann kann es sich lohnen, das eigene Wohlbefinden in Augenschein zu nehmen. Das ist nicht ganz einfach und kann schmerzlich sein: Nicht alle Eltern sind sofort dazu bereit sich einzugestehen, dass Haltungs- oder Verhaltensauffälligkeiten des Kindes ihren Ursprung in den eigenen Problemen haben.

In der Praxis ist es wirklich so, wenn Kinder zu mir in die Therapie kommen, um die körperliche Haltung zu verbessern, dass ich eigentlich lieber an der körperlichen Haltung der Eltern arbeiten würde. Aber dafür fehlt bei vielen das Verständnis…

Eltern wollen das perfekte Vorbild sein, doch vielleicht hat auch genau das zu ihrer permanenten Anspannung geführt:

Da haben Sie sich so sehr bemüht, alles mit den Kleinen richtig zu machen, Sie haben Bücher gelesen, sich mit anderen Eltern ausgetauscht, im Internet die richtigen Erziehungsmethoden recherchiert.

Genau hinzuschauen lohnt sich, denn die eigenen Probleme zu erkennen, ist schon der erste Schritt zu mehr Gelassenheit und einer aufrechteren Haltung, sowohl im eigenen Leben, als auch im Leben ihres Kindes. Wenn Sie als Erwachsener Ihr Verhalten und Ihre körperliche Haltung verbessern und grundsätzlich das Leben mit mehr Gelassenheit angehen, so werden es auch die Kinder tun zum Teil von Ihnen übernehmen.

Eine Möglichkeit als Erwachsener an mehr Gelassenheit und einer aufrechten Haltung zu arbeiten ist mein Qi Gong Kurs auf Udemy als Online Kurs.

 

Interessante Links:

https://www.beobachter.ch/familie/vorbilder-spieglein-spieglein-der-hand

https://www.eltern.de/schulkind/erziehung-und-entwicklung/erziehungsprobleme.html