Als Eltern ist es gar nicht so einfach, Kinder frei herumtollen zu lassen und ihnen dabei zuzusehen. Was ist, wenn sie sich verletzen? Was ist, wenn sie fallen und bleibende Schäden davontragen?
Indem Sie zusehen, geben Sie Ihrem Kind Vertrauen und gleichzeitig die Freiheit, die es braucht, um seine Umwelt und seinen Körper zu erforschen und kennenzulernen.
Für uns Eltern ist es oft schwierig, dem Kind mehr und mehr Selbständigkeit zuzugestehen. Aber unsere Kinder kennen ihre Grenzen viel besser, als wir uns das oft vorstellen.

 

Der kindliche Bewegungsdrang ist natürlich und wichtig

Für die kindliche Entwicklung ist Bewegungsfreiheit ungeheuer wichtig. Das beginnt schon mit wenigen Monaten. Ein Baby möchte sich auf den Bauch drehen, möchte sich auf allen Vieren aufstemmen und herumkrabbeln. Damit entwickelt es nicht nur seine Muskulatur und Koordination, sondern auch seine geistigen Fähigkeiten. 

Kinder sind beim Erlernen von körperlichen Fähigkeiten, wie das Krabbeln, Klettern oder Laufen auf ganz natürliche Weise sehr beharrlich. Ein Kind wird, auch nach noch so häufigem Fehlversuchen, so lange üben, bis es selbstständig laufen oder auf der Schaukel balancieren kann. Das ist ganz natürlich und gehört zur grundmotorischen Entwicklung dazu. Es ist wichtig, dass Eltern ihr Kind aus Angst, dass es sich verletzen könnte, nicht aufhalten, sondern beim Lernen unterstützen. Damit stellen Sie nicht nur sicher, dass es sich nicht ernsthaft verletzt, sondern unterstützen auch sein Selbstwertgefühl, indem Sie seine Fortschritte fördern, anerkennen und wertschätzen.

Stimulieren Sie beispielsweise ein Baby mit seinem Lieblingsspielzeug zum Vorwärtskrabbeln oder zum Herumdrehen in der Liegeposition, bis es dem Kleinen irgendwann gelingt, fördert dies sein Selbstbewusstsein. Wenn Sie das Kind ehrlich loben, ist die Freude und Bestätigung groß.

 

Krabbeln – ein unverzichtbarer Meilenstein?
Das Krabbeln ist ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung Ihres Kindes. Für viele Eltern bedeutet es, dass das Baby seinen nächsten Schritt zur Selbstständigkeit gemacht hat. Mit dem Krabbeln üben Babys die Überkreuzbewegungen, also einen Arm und das diagonal gegenüberliegende Bein gleichzeitig zu bewegen. Die rechte und die linke Gehirnhälfte kommunizieren dabei miteinander. Diese Kommunikation ist beim Lernen von späteren Fähigkeiten Voraussetzung, wie beim Erlernen von Lesen und Schreiben. Lange Zeit wurde angenommen, dass Kinder, die das Krabbeln überspringen, später Probleme in der Schule haben. Doch mittlerweile ist diese Theorie überholt. Langzeitstudien haben nämlich gezeigt, dass ca. 13% aller Kinder den Meilenstein des Krabbelns überspringen, was sich aber keineswegs auf die spätere Entwicklung ausgewirkt hat. 

 

Geschicklichkeitsparcours und Kinderturnen zuhause

Besonders wenn kein Garten zur Verfügung steht oder das Wetter monatelang nicht mitspielt, gibt es Alternativen, um die motorische und damit auch die geistige Entwicklung von Kindern zu fördern. Während Babys, die gerade mit dem Krabbeln begonnen haben die heimische Wohnung erforschen und damit voll und ganz beschäftigt sind, brauchen ältere Kinder größere Herausforderungen. Wichtig in der heutigen Zeit ist vor allem, dass Kinder die Gelegenheit erhalten Kraft im Oberkörper, den Schultern und Armen aufzubauen. Immer seltener wird das noch gefördert. Dabei genügt dazu im Kinderzimmer ein stabiler Hacken an der Decke, an dem man verschiedene „Spielsachen“ aufhängen kann, wie beispielsweise ein Seil zum hochklettern oder athletische Ringe, die von den Kindern einfach genutzt werden, weil sie da sind. Gut sind auch Hochbetten mit Kletter- oder Sprossenwand. Selten braucht es eine Aufforderung an die Kinder, diese Trainingsmöglichkeiten zu nutzen. 

Auch das Bauen von Höhlen ist bei Kindern ganz natürlich veranlagt und wenn man es ihnen nicht verbietet, bewegen und verschieben sie dabei alles, was in ihrer Macht steht, um tolle Höhlen aus Kissen, Stühlen, ja sogar Matratzen, die aus dem Bett gehoben werden, zu bauen. Das fördert das dreidimensionale Vorstellungs- und Planungsvermögen der Kinder.

 

Der Weg vom sportlichen Kleinkind zum übergewichtigen Grundschüler

Oft haben Eltern wenig Zeit für Ausflüge zum Spielplatz und tendieren unbewusst dazu, ihre Kinder zur Ruhe „umzuerziehen“. Dabei ist die Förderung des natürlichen Bewegungsdrangs nicht nur für ihre Persönlichkeitsentwicklung und Haltung, sondern auch für die Gesundheit wichtig. Denn Kinder, die sich nicht ausreichend bewegen, werden oft übergewichtig. Das kann allgemeine Unzufriedenheit, geringes Selbstvertrauen und sogar Herzkreislauferkrankungen zur Folge haben.

Wichtig beim experimentieren mit dem Körper ist für Kinder dabei auch, dass sie dabei ihre Grenzen kennenlernen und sich nicht in unkontrollierter Hyperaktivität verlieren. Kinder sollen lernen ihre Bewegungen des Körpers, zu kontrollieren und ihre Fähigkeiten verantwortlich sich selbst und anderen Gegenüber einzusetzen. 

Während Kleinkinder in der Kita noch natürlicherweise viel herumtollen, werden immer mehr Kinder im Grundschulalter unbeweglicher und nehmen zu. Das liegt zum Teil daran, dass viele Grund- und weiterführende Schulen wenig Wert auf ausreichend Sport im Schulalltag legen. Die wöchentliche Sportstunde reicht meistens nicht aus. 

Besonders wichtig daher, als Eltern aktiv für einen Ausgleich zu sorgen. Melden Sie ihr Kind im Sportverein an, gehen Sie mit ihm so oft es geht nach draußen zum Spielplatz beispielsweise. Und seien Sie Vorbild, nehmen die Treppe anstatt des Fahrstuhls oder gehen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Einkaufen, anstatt mit dem Auto zu fahren. Ihr Kind orientiert sich an seinen Vorbildern.

So kommt Ihr verhalten nicht nur dem natürlichen Bewegungsbedürfnis ihres Kindes entgegen, sondern macht auch Sie fitter, gesünder und ausgeglichener. 

 

Links:

  • https://www.swissmom.ch/baby/medizinisches/beim-kinderarzt/medbabymotentw/krabbeln/
  • https://www.urbia.de/magazin/baby/gesundheit-und-entwicklung/warum-krabbeln-fuer-babys-wichtig-ist
  • https://www.babycenter.de/a9788/klettern-und-balancieren
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Krabbeln
  • https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/psychische-gesundheit/entwicklung-foerdern/
  • http://www.medizinfo.de/kinder/entwicklung/grundmotorik.shtml
  • https://www.kidsgo.de/kurse/kinderturnen/
  • https://www.tagesspiegel.de/sport/bewegungsmangel-an-berliner-schulen-jedes-kind-hat-einen-natuerlichen-bewegungsdrang-/13886288-2.html